Weiter heißt es bei Graf :
"Keines der beiden Prüfverfahren ist z.Zt. in der Lage, den Einfluss unterschiedlicher Anteile der einzelnen Kornklassen im Splittbereich oder gar den Einfluss der Bruchflächigkeit von Kies-Splitt zum Zwecke einer Feinoptimierung aufzuzeigen. Aber auch der Einfluss des Bindemittelgehaltes wird nicht immer plausibel erfasst. Unstrittig ist allerdings: wenn bei dynamischen Prüfverfahren günstige Ergebnisse im Sinne eines hohen Verformungswiderstandes erzielt werden, dann ist in der Praxis ebenfalls ein hoher Verformungswiderstand zu erwarten. Andererseits wissen wir aber, dass Splittmastixasphalt 0/8 S unter Verwendung von B 50/70 keine Probleme hinsichtlich Spurrinnenbildung in der Praxis bereitet, bei den dynamischen Prüfungen jedoch nicht besonders günstig abschneidet. Dies trifft noch mehr bei der Verwendung von PmB 65 zu."
"Des weiteren soll das Problem der Herstellung von homogenen Probekörpern angesprochen werden, unabhängig davon, ob es sich um Marshallprobekörper, um Prüfplatten oder sonstige Probekörper handelt. Trotz aller gebotenen High-Tech-Hilfen kann man sich zur Zeit des Eindruckes nicht erwehren, dass die Qualität der Probekörper bzw. Probeplatten mit der Geschicklichkeit des Laboranten beim Einbringen des Mischgutes in die Verdichtungsformen zusammenhängt. Überspitzt ausgedrückt prüfen wir die Qualität und die Fähigkeit des Laboranten, homogene und gleichmäßige Probekörper herzustellen."
"Nicht zuletzt ist die Frage der Prüfung der Standfestigkeit mit den dynamischen Prüfungen unter Wasserlagerung zu erörtern. Eine solche Prüfung geht sehr schnell in eine erweiterte Prüfung der Haftung zwischen Gestein und Bindemittel über und hat nur noch bedingt mit einer Prüfung zur Prognose der Standfestigkeit von Asphalt zu tun. Hierzu geben auch die verschiedenen Veröffentlichungen Hinweise."
Aus dem Gesagten lässt sich ableiten, dass die Prüfungen zur Ermittlung des Verformungsverhaltens sicher wertvolle Hinweise geben, aber keineswegs das "Allheilmittel" sind, um die Probleme der Spurrinnenbildung sicher zu beherrschen.
Graf weist richtigerweise darauf hin, dass die Einbeziehung einer Betrachtung der volumetrischen Kennwerte des Asphaltes von großer Bedeutung sind und deshalb grundsätzlich erfolgen sollte.
Die Frage der Verdichtbarkeit von Splittmastixasphalt, die in dem Rundschreiben des Bundesministers für Verkehr herausgehoben wird, stellt sich erfahrungsgemäß nur selten. Für die Prüfung der Verdichtbarkeit gibt es in Deutschland eine "Arbeitsanleitung für die Bestimmung der Verdichtbarkeit von Walzasphalt mit Hilfe des Marshall-Verfahrens", erarbeitet von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, die verschiedene, unterschiedlich aufwändige Verfahren beschreibt.
In der Praxis des Straßenbaus gibt es aber erfahrungsgemäß weniger Probleme mit der Verdichtbarkeit - insbesondere bei Splittmastixasphalt - als vielmehr mit der richtigen und ausreichenden Verdichtung bzw. Verdichtungsarbeit. Weiteres hierzu ist im vorangehenden Abschnitt 12. enthalten.
Schließlich ist die Frage des Verhaltens bei tiefen Temperaturen bei Verwendung von Bindemitteln gemäß ZTV angesprochen. Damit gibt es in Deutschland erfahrungsgemäß keine besonderen Probleme. Dennoch sei auf die dafür gültige "Technische Prüfvorschrift Verhalten von Asphalten bei tiefen Temperaturen" der FGSV hingewiesen. Schließlich kann diese Eigenschaft in anderen Ländern mit anderen klimatischen Verhältnissen und anderen Bindemitteln eine ganz andere, wesentliche Bedeutung bekommen.
Abschließend sei noch einmal mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse aller dieser erweiterten Prüfungen von Splittmastixasphalt zwar ihre Bedeutung für die Beurteilung seiner Eignung und Güte haben, aber wegen der aufgezeigten Schwierigkeiten nicht geeignet sind für vertragsrelevante Festlegungen.